{"id":1130,"date":"2015-09-28T10:00:45","date_gmt":"2015-09-28T08:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/?p=1130"},"modified":"2015-09-27T17:36:43","modified_gmt":"2015-09-27T15:36:43","slug":"was-versteht-man-unter-strafrechtlicher-konsumption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/2015\/09\/28\/was-versteht-man-unter-strafrechtlicher-konsumption\/","title":{"rendered":"&#8222;Was versteht man unter strafrechtlicher Konsumption?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/files\/2015\/04\/Tiere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-1131\" src=\"http:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/files\/2015\/04\/Tiere-224x300.jpg\" alt=\"Tiere\" width=\"233\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/files\/2015\/04\/Tiere-224x300.jpg 224w, https:\/\/bloghosting.jurmatix.de\/klartext-jura\/files\/2015\/04\/Tiere.jpg 716w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Diese Frage stellen uns P\u00f6tters\/Werkmeister, Basiswissen Jura f\u00fcr die m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen, 2015 auf Seite 67. In der Antwort hei\u00dft es dann:<\/p>\n<blockquote><p>Konsumption meint, dass ein Tatbestand regelm\u00e4\u00dfig bei der Begehung eines anderen mitverwirklicht wird. Aus diesem Grund gilt eine Bestrafung aus dem vorrangigen Delikt als ausreichend. [&#8230;] Ein Wohnungseinbruchdiebstahl nach \u00a7 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB konsumiert regelm\u00e4\u00dfig den Hausfriedensbruch nach \u00a7 123 StGB.<\/p><\/blockquote>\n<p>[Es gibt die Schreibweise\u00a0&#8222;Konsumption&#8220; und &#8222;Konsumtion&#8220;, wobei letztere wohl die verbreitetere ist.]<\/p>\n<p>Wir sollten die Antwort von\u00a0P\u00f6tters\/Werkmeister etwas erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Werkmeister (nicht Christoph, der mit P\u00f6tters das Buch f\u00fcr die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung geschrieben hat, sondern Andreas) schreibt zu dem Verh\u00e4ltnis von \u00a7 244 I Nr. 3 StGB und \u00a7 123 StGB in der JA 2013, 902 (909):<\/p>\n<blockquote><p>Das teinheitlich [?, M.H.] begangene Delikt nach \u00a7 244 I Nr. 1\u2009a, 3 StGB k\u00f6nnte \u00a7 303 I StGB bzgl. der Fensterfront bzw. \u00a7 123 I StGB im Wege der Konsumtion verdr\u00e4ngen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdem der Autor definiert hat, was unter Konsumtion zu verstehen ist, beginnt er mit der Argumentation.<\/p>\n<blockquote><p>Der BGH hat dies [Konsumtion, M.H.] neuerdings in Bezug auf \u00a7 243 I 2 Nr. 1 StGB hinsichtlich des \u00a7 303 I StGB abgelehnt, da eine Sachbesch\u00e4digung auch bei der Alternative des \u201eEinbrechens\u201d nicht zwingend vorl\u00e4ge und auch verschiedene Rechtsgutstr\u00e4ger betroffen sein k\u00f6nnten (BGH NStZ 2001, 642); mit letzterem Argument lie\u00dfe sich gleiches auch bzgl. des \u00a7 123 I StGB vertreten. Nach dieser Ansicht l\u00e4ge daher keine Konsumtion, sondern Tateinheit vor.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier l\u00e4sst sich noch eine neuere Entscheidung\u00a0des BGH hinzuf\u00fcgen, die sich auf das von Werkmeister zitierte Urteil bezieht: BGH, Beschluss vom\u00a021.08.2013, <a title=\"1 StR 332\/13\" href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=65400&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\">1 StR 332\/13<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Dies [Gesetzeseinheit, M.H.] ist jedoch nicht der Fall. Wie der Senat bereits zu dem Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a7 242, 243 Abs. 1 Satz 2 Nrn. 1 und 2 StGB sowie \u00a7 303 StGB ausgef\u00fchrt hat (BGH, aaO, NStZ 2001, 642, 643 f.), sprechen mehrere Erw\u00e4gungen gegen ein vollst\u00e4ndiges Aufzehren des Unrechts der Sachbesch\u00e4digung durch einen unter Verwirklichung der hier einschl\u00e4gigen unrechtssteigernden Merkmale des \u00a7 243 Abs. 1 Satz 2 StGB begangenen Diebstahl. Zu diesen Erw\u00e4gungen geh\u00f6rt vor allem die m\u00f6gliche Verschiedenheit der durch die Sachbesch\u00e4digung einerseits und den Diebstahl andererseits verletzten Rechtsg\u00fcter und Rechtsgutsinhaber sowie die heutigen tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse der Begehung entsprechender Taten. Diese lassen es nicht mehr als tragf\u00e4hig erscheinen, die Sachbesch\u00e4digung als eine typische Begleittat eines unter den Voraussetzungen von \u00a7 243 Abs. 1 Satz 2 Nrn. 1 und 2 StGB verwirklichten Diebstahls anzusehen (n\u00e4her BGH, aaO, NStZ 2001, 642, 644).<\/p><\/blockquote>\n<p>Betrachten wir die weitere Argumentation von Werkmeister, JA 2013, 902 (909):<\/p>\n<blockquote><p>Eine aA will zwischen \u00a7 303 I StGB (Tateinheit) und \u00a7 123 I StGB (Konsumtion) differenzieren (M\u00fcKoStGB\/Schmitz aaO \u00a7 243 Rn. 93). Nach \u00fcberzeugender Ansicht \u2013 die erhebliche Strafsch\u00e4rfungen in der Rechtspraxis vermeidet \u2013 wird \u00a7 123 I StGB sowie auch \u00a7 303 I StGB konsumiert, es sei denn die Sachbesch\u00e4digung f\u00e4llt im Einzelfall aus dem regelm\u00e4\u00dfigen Tatbild des \u00a7 244 I Nr. 3 StGB heraus und weist einen eigenst\u00e4ndigen Unrechtsgehalt auf (Wessels\/Hillenkamp aaO Rn. 245).<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir sehen also, dass das Verh\u00e4ltnis von \u00a7 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB zu \u00a7 123 StGB nicht in einem Satz als ein Fall der Konsumtion bezeichnet werden sollte.<\/p>\n<p>Wer die L\u00f6sung weiter anreichern m\u00f6chte, k\u00f6nnte noch eine Differenzierung zwischen \u00a7 123 I Alt. 1 StGB und \u00a7 123 I Alt. 2 StGB vornehmen. Dazu zun\u00e4chst ein Blick in \u00a7 123 I StGB:<\/p>\n<blockquote><p>(1) Wer in die Wohnung, in die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume oder in das befriedete Besitztum eines anderen oder in abgeschlossene R\u00e4ume, welche zum \u00f6ffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die erste Alternative bezieht sich demnach auf das Eindringen, w\u00e4hrend die zweite Alternative das Verweilen trotz Aufforderung zum\u00a0Entfernen betrifft. Wie diese Differenzierung im Rahmen der Diskussion um die Konsumtion herangezogen werden kann, beschreibt\u00a0Wittig, BeckOK, StGB, 2014, \u00a7 244 StGB Rn. 22:<\/p>\n<blockquote><p>\u00a7 123 I 1 Var StGB wird nach zutr Ansicht von \u00a7 244 I Nr 3 StGB als typische Begleittat konsumiert; \u00a7 123 I 2 Var StGB kann in besonderen Fallkonstellationen dagegen eigenen Unrechtsgehalt haben, so dass Tateinheit m\u00f6glich ist (vgl BGH BeckRS 2014, 03301; generell f\u00fcr Tateinheit Sch\u00f6nke\/Schr\u00f6der\/Eser\/Bosch StGB \u00a7 244 Rn 36; f\u00fcr Konsumtion zB Wessels\/Hillenkamp Rn 245 mwN; siehe bereits \u00a7 243 Rn 33).<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir sollten uns also zus\u00e4tzlich\u00a0die angegebene Entscheidung des BGH ansehen,\u00a0BGH, Beschluss vom 27.01.2014, <a title=\"4 StR 566\/13\" href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=66779&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\">4 StR 566\/13<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Gegen eine Konsumtion des Unrechtsgehalts des Hausfriedensbruchs durch den verwirklichten Wohnungseinbruchsdiebstahl (vgl. BGH, Urteil vom 15. Mai 1968 &#8211; 2 StR 5\/68, BGHSt 22, 127, 129 mwN) spricht hier bereits, [&#8230;].\u00a0Auch k\u00f6nnte dem Umstand, dass sich der vom Wohnungsinhaber \u00fcberraschte Angeklagte auf dessen ausdr\u00fcckliche Aufforderung hin nicht aus der Wohnung entfernt hat, ein eigenst\u00e4ndiger Unrechtsgehalt zukommen (vgl. BGH, Urteil vom 7. August 2001 &#8211; 1 StR 470\/00, NStZ 2001, 642, 643).<\/p><\/blockquote>\n<p>Was folgt f\u00fcr uns aus diesen \u00dcberlegungen? Falls wir uns in einer m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung oder in einer Klausur mit dem Verh\u00e4ltnis von \u00a7 244 I Nr. 3 StGB zu \u00a7 123 StGB auseinandersetzen m\u00fcssen, zeigen wir Problembewusstsein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage stellen uns P\u00f6tters\/Werkmeister, Basiswissen Jura f\u00fcr die m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen, 2014 auf Seite 67. 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